„Gut gehen“ in Schwaz.


Mit im Gepäck:
Ruhe und Gelassenheit!
S
pektakulär? Einzigartig? Inwiefern diese Superlative auf das zutreffen, was dich in diesem Blogbeitrag erwartet, hängt vor allem von deiner eigenen Erwartungshaltung ab! Für Liebhaber von Action, Abenteuer und Spaß wird dieser Teil von Schwaz in Tirol vermutlich weniger zu bieten haben. Vielmehr erwartet dich hier ein Plädoyer, das eine Lanze für die Langsamkeit bricht. Ja, man kann auch „Entschleunigung“ dazu sagen – ein mittlerweile gängiger (und etwas überstrapazierter) Begriff, der Stressgeplagten und Erschöpften so gerne vor die Füße geworfen wird, um „abzuschalten“. Wir probieren es ganz simpel mit Gemütlichkeit und gutem Schuhwerk. Ganz ohne Specials.

Ein Spaziergang im Osten von Schwaz im Tiroler Unterinntal

 

Folge deinem Gefühl.
Wenn einem manchmal alles zu viel wird und man am liebsten vor all diesen Dingen, die Stress machen und Sorge bereiten davonlaufen möchte: Tu‘ es einfach! Man muss ja nicht gleich laufen! Auch die langsamere Art des Spaziergehens ist bestens dafür geeignet, um wieder zu Ruhe und Klarheit zurückzufinden. Und wer weiß? Vielleicht findest du auf einem deiner Spaziergänge auch „dich“? Viele positive Eindrücke und Emotionen sind auf jeden Fall garantiert!

Die Silberregion Karwendel

So wird das Gebiet im Tiroler Unterinntal, in das ich dich heute mitnehme, genannt. Eingerahmt von den schroffen Felsmassiven des Karwendelgebirges und den sanften Grasbergen der Tuxer Alpen, die sich heuer Anfang Mai teilweise noch schneebedeckt zeigen, birgt die Landschaft eine Vielzahl an Plätzen und Möglichkeiten, um sich in der Natur zu ergehen und sich der Silberregion zu nähern. Die Stadt Schwaz im gleichnamigen Bezirk war einst nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs! Das war zur Zeit des Silberabbaues, der seit dem Mittelalter in Schwaz bis in die Mitte des 20 Jahrhunderts hinein betrieben worden ist.

Zur Blütezeit des Abbaues von Silber und Kupfer im Jahre 1554 waren in Schwaz bis zu 7400 Bergknappen täglich damit beschäftigt, die begehrten Rohstoffe aus den Stollen zu schürfen. So ließ auch Kaiser Maximilian I. seine zahlreichen Kriegszüge mit den Erträgen aus den Schwazer Silberabbau finanzieren. Und es kommt noch besser! Silber und Kupfer aus Schwaz bildeten auch die finanzielle Basis für das Weltreich der Habsburger. Der Reichtum und der damit einhergehende luxuriöse Lebensstil der Landesfürsten und ihrer Gefolgschaft spiegeln sich noch heute in Bauten in Schwaz und in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck wider.

Auch das berühmte Goldene Dachl glänzt nicht von ungefähr so gülden, sondern verdankt sein weithin sichtbares Strahlen dem einstigen Reichtum der Silberregion Schwaz. Doch lassen wir die Geschichte und den darauffolgenden Niedergang des Silberabbaues hinter uns und wenden uns dem zu, was vor uns liegt: Ein wohltuender Spaziergang an einem sonnigen Vormittag im Wonnemonat Mai. Die frühlingsfrische Natur, das muntere Vogelgezwitscher und versteckte, idyllische Plätzchen sind bereit! Du auch?

„Wenn du es eilig hast gehe langsam“

Sagt Konfuzius. Eine Weisheit, die man ganz leicht nachvollziehen kann, um von den positiven Aspekten, die die „Langsamkeit“ mit sich bringt, am eigenen Leib profitieren zu können. Was die Region im Osten von Schwaz für mich in diesem Kontext so besonders macht, ist die Abwesenheit von sogenannten „Attraktionen“. Abseits von spektakulären Outdoor-Erlebnisparks und anderen künstlich geschaffenen Bedürfnisbefriedigern – wie sie in Tirol vielerorts anzutreffen sind – führt hier die Natur ein zurückgezogenes Leben in Eigenregie. Ein kleines Paradies für sich und für Tiere und auch für Menschen, die Erholung suchen, gerne im Wald sind und keinen großen Erwartungen entgegenfiebern. Hier erfreut man sich an dem, was schon seit Jahrhunderten Bestand hat: Bergidylle flankiert von Natur in Hülle und Fülle!

Zu Beginn meines Spazierganges erstrecken sich zunächst – links und rechts des Weges – die sogenannten „Schwazer Felder“. Landwirtschaftlich genutzte Flächen und Wiesen, auf denen im Frühjahr und im Herbst Kühe weiden, vor und nach ihrem sommerlichen Aufenthalt auf der Alm. Hier trifft man nicht nur zu jeder Tageszeit auf freundliche Hundebesitzer und ebensolche Vierbeiner, sondern mit etwas Glück kann man auch Paragleitern beim Landeanflug zusehen.

Vorbei an löwenzahngelben Wiesen, anmutig grasenden Kühen und mit Blick auf das Karwendelmassiv führt der Weg nach circa 20 Minuten bergauf. Aber keine Sorge es wird nicht allzu steil! Ein Teil meines Lieblingsspazierweges besteht aus dem „Zehn-Kapellen-Weg“. Ein beliebter Wanderweg, der, wie der Name bereits vermuten lässt, an zehn verschiedenen Kapellen vorbeiführt. Kleine Oasen der Ruhe, die einst zur Andacht für die Knappen und ihren Angehörigen errichtet wurden.

Voilà! Und hier ist auch schon die erste Kapelle, die unseren Weg kreuzt.  Darüber hinaus geht es ab jetzt, wie schon versprochen, bergauf. Wieder vorbei an Kühen und einem Bauernhof zu rechter Hand, biege ich bald nach links oben ab (ein bisschen schweißtreibend) und dann noch einmal links hinauf (noch ein bisschen mehr schweißtreibender) und schon ist man bei der Wasserkapelle im Schwazer Ortsteil Ried.

„Verschnaufen und Panorama bewundern“ lautet hier die erste Devise, um danach in den historischen Kontext einzutauchen. Ihren Namen hat die, um 1894 errichtete Wasserkapelle von einer Trinkwasserquelle, die hier einst aus dem Boden gesprudelt haben soll. Die kleine Bank vor der Kapelle bietet sich zwar als Rastplatz an – den schönen Ausblick auf das Karwendelgebirge kann man stehender Weise jedoch viel besser in Augenschein nehmen. Ein letzter kleiner Anstieg steht jetzt noch bevor, um danach in den sagenumwobenen Schwazer Silberwald eintauchen zu können.


Der Silberwald in Schwaz

Ein Ort zum Entspannen und für einige auch ein Ort voller Mysterien und Elfen. Durch das Waldgebiet rund um den markanten Berg Eiblschrofen, der durch einen Bergsturz im Jahre 1999 österreichweite Bekanntheit erlangt hat, ziehen sich verschiedene Wanderwege. Was anfänglich wie ein ganz „normaler“ Waldweg anmutet, der sich kaum von anderen Wegen zu unterscheiden scheint, hält jedoch so manche wundersame Überraschung parat.

Die Außergewöhnlichkeit oder einzigartige Besonderheit des Schwazer Silberwaldes liegt in dessen Mitte verborgen. Angekommen an der sogenannten „Arena“ wird augenscheinlich klar, was diesen Wald so besonders macht. Ein Platz an dem verschiedene Energien zusammenfließen und den man in „normalen“ Wäldern in dieser Form selten antrifft – umgeben von eigentümlichen Kunstwerken, gefertigt aus Materialien aus der Natur.

Wie diese „Elfentore“ zum Beispiel. Die zu Toren gebundenen Zweige biegsamer Weiden wachsen und verändern sich im Rhythmus der Jahreszeiten. Ebenso wie die 17 Rotbuchen, die in einem Kreis von 8 Metern Durchmesser angepflanzt wurden und zu einem „Turm-Baumhaus“ heranwachsen sollen. Wenn die Bäume einmal groß und stark genug sind, soll das Baumhaus , mit seinen Wänden aus ineinander verschlungenen Ästen auch begehbar sein.

Der Schwazer Silberwald versteht sich aber nicht nur als Hort der mystischen Ruhe und der Stille, sondern auch als Gesundheits- und Heilwald. Deshalb entsteht hier seit einiger Zeit auch ein großer Waldgarten. In diesem gedeihen heimische Stauden, Sträucher, Wildkräuter, Farne sowie verschiedene Heil- und Küchenkräuter. Ein idealer Ort, für Insekten, die hier sogar ein eigenes Insektenhaus bezogen haben. Bei Interesse und gegen Voranmeldung kannst du an Führungen teilnehmen, um Wissenswertes über die vielfältigen Kräuter und Pflanzen des Schwazer Silberwaldes zu erfahren.

Der Wald tut gut & schärft die Sinne

Lass dich ein auf den Wald und zwar mit allen Sinnen! Nimm dir Zeit und gönne dir Ruhe, schließe die Augen und lausche dem Gezwitscher der Vögel und dem Rascheln der Blätter. Vielleicht hast du auch Lust, den Waldboden wieder einmal barfuß zu spüren? Nimm beim Einatmen die Gerüche des Wald bewusst wahr. Egal, ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter und egal bei welchem Wetter: die unterschiedlichen Stimmungen und Gerüche, die ein und derselbe Wald erzeugen kann,  versetzen jeden, der offen ist für die kleinen Wunder der Natur, immer wieder neu in einen Zustand glückseliger Zufriedenheit. So einfach ist das!

 


Claude Monet hätte ihn sicher und sehr gerne gemalt. Der kleine Seerosenteich im Schwazer Silberwald hat im Mai zwar noch keine Blütenpracht zu bieten. Dafür tummelt sich hier gerade eine Vielzahl quicklebendiger Kaulquappen, die über den Sommer hoffentlich zu stattlichen Tiroler „Bergfröschen“ heranwachsen werden!

 Das Schloss Freundsberg in Schwaz

Bevor es wieder bergab und heimwärts geht, noch ein paar Worte zum Schloss Freundsberg, das man beim Spazieren und Wandern in der Silberregion Schwaz aus vielen unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann.

Seit 869 Jahren „Fels in der Brandung“.
Weithin sichtbar, 170 Meter über dem Inntal thronend und von den Herren von Freundsberg initiiert. Was im Jahre 1150 als fünfstöckiger Wohnturm begann und sich in den Jahren 1634 bis 1637 mit der Errichtung der Schlosskirche fortsetzte, gipfelte im 21. Jahrhundert als idyllisches Ausflugsziel für Wanderer und Genießer von Tiroler Speis & Trank.

Und da ist natürlich auch noch die Aussicht auf Schwaz und das Unterinntal! Der Inn, die Stadt und die Bergwelt vereinen sich hier oben zu einem einprägsamen Erlebnis. Wenn du außerdem noch Lust auf etwas Kultur und Geschichte hast: Im Turm des Schlosses befindet sich das Schwazer Heimat- & Bergbaumuseum.

Wenn es bergauf geht, geht es irgendwann auch einmal bergab. Eine „Weisheit“, die sich in Tirol jeden Tag offenbart. Um vom Silberwald wieder zurück in die Stadt Schwaz zu gelangen, muss man einfach bergabwärts wandern. Vorbei am Friedhof und dem „Haus der Völker“ – einem der bedeutendsten Völkerkundemuseen Österreichs – hat uns die „Zivilisation“ wieder.

Mit einem letzten Blick in Richtung Westen und mittlerweile nicht mehr so strahlendem Sonnenschein neigt sich dieser Spaziergang seinem Ende zu. Vollgetankt mit neuer Energie und inspirierenden Momenten in der Stille der Natur. Ich hoffe, es hat dir gefallen, die Schwazer Silberregion ein wenig näher kennenlernen zu dürfen. Egal wo du wohnst – ich bin mir sicher, dass es auch bei sehr schöne und einfach zu erreichende Naturoasen, Parks und Wälder zum Lustwandeln gibt. In diesem Sinne: Tu‘ dir Gutes und habe viel Freude beim Spaziergehen.

Bis zum nächsten Mal!

Lisa
aus der TEXTIEREREI

 

KONTAKT

 

 PS: Hier noch einmal die besten Gründe für einen Spaziergang an der frischen Luft:

  • Gehen lindert Rückenschmerzen – wir sitzen ohnehin zu viel!
  • Gehen kräftigt die Muskeln – mit Nordic Walking Stöcken verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich
  • Gehen sorgt für ein intaktes Immunsystem
  • Gehen in der Natur wirkt stimmungsaufhellend und ist gut gegen Depressionen
  • Gehen, Wandern, Spazieren … wie auch immer man es benennen mag: Bewegung erhöht die Lebensfreude!

Text © + Fotos © Lisa Asbäck-Kreinz


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